Zuckerhütl Nordwand

Zuckerhütl Nordwand

Skitour in den Stubaier Alpen am 01.02.2020

Die Zuckerhütl Nordwand wollten sowohl Dietmar als auch ich schon lange einmal begehen. Und gestern war es dann soweit. Sowohl Wetter als auch Lawinensituation schienen gut geeignet für dieses Unterfangen.

Bis wir unsere Liftkarte gekauft hatten und zum Eisjoch hochgegondelt waren, war es irgendwie auch schon zwanzig nach neun. Na dann mal los. Zunächst fuhren wir die Piste über den Gaiskarferner ab, dann verließen wir rechterhand das Skigebiet. Dietmar war vorher schon mehrmals über den Normalweg auf dem Zuckerhütl gewesen und kannte den Weg.

Nach einer kurzen Querung unter dem Schaufelnieder war dann Auffellen angesagt. Über weite Hänge stiegen wir zum Pfaffenjoch auf. Ich merkte wie üblich die Höhe, dazu drückte der dank Eisgeräten und Seil ordentlich schwere Rucksack. Aber es war ja für einen guten Zweck.

Am Pfaffenjoch (3208m) empfing uns ein kalter Wind. Wir setzten uns hinter ein paar Felsen und machten kurz Pause. Danach querten wir nach rechts und hinter einem Rücken kam dann auch das Zuckerhütl in Sicht mit seiner Nordwand. Ich war etwas aufgeregt, als wir weiter gingen. Das würde spannend werden heute! Wir sahen uns die Wand genau an. Wie erhofft war sie eher ab- als eingeweht, so dass der Durchstieg sicher sein sollte.

Etwas oberhalb von 3300m hielten wir schließlich an und tauschten Ski gegen Steigeisen und Stöcke gegen Eisgeräte ein. Auch Klettergurte legten wir an. Wir hatten zwar vor, ohne Seile zu gehen, hatten es aber zur Sicherheit dabei. Schließlich würde es für uns beide eine neue Erfahrung sein, da sollte man vorbereitet sein.

Dietmar ging zunächst voran. Im steilen Schnee waren noch Reste älterer Spuren vorhanden, doch kam er nicht ganz um eigene Spurarbeit herum. Die Steilheit war bereits beeindruckend, doch noch war das hier recht entspannt.

Und dann kam das Eis. Und das war eine andere Nummer. Hier fühlten wir uns gleich deutlich ausgesetzter. 55° Neigung klingt vielleicht nicht nach viel, fühlte sicher aber sausteil an. Aber es ging. Nach etwas Räumarbeit kam jeweils solides Eis zum Vorschein. Der steile Abschnitt war auch nicht lang, vielleicht 30m, aber sehr anstrengend, besonders für die Waden. Zwischendurch setzte Dietmar eine Schraube und wir ruhten uns kurz aus.

Dann ging es weiter, jetzt war ich mit vorausgehen an der Reihe. Zum Glück schaffte ich es, mich voll aufs Klettern zu konzentrieren und Steilheit und Ausgesetztheit auszublenden. Als dann die Eisgeräte zum ersten Mal wieder quietschend in festen Schnee eindrangen, wusste ich, dass wir das Anstrengendste geschafft hatten. Super!

Weiter ging es die immer noch steile Schneeflanke hinauf. Als Dietmar unter dem Felsriegel zu mir aufschloss, grinsten wir uns gegenseitig an. Irre, dass wir es bis hierhin so gut geschafft hatten!

Trotz einiger alter Spuren war der beste Durchstieg durch den Felsriegel nicht ganz offensichtlich. Doch Dietmar hatte den richtigen Riecher und führte uns zu einem waagerechten Band. Hier übernahm ich wieder die Führung und querte vorsichtig hinüber zu einer kurzen, steilen Rinne. Es folgten noch einige Blöcke (I-II), dann erreichten wir den Gipfelgrat und damit auch die Sonne.

Freude und Erleichterung machte sich bei uns breit, denn nun war es nicht mehr weit. Die letzten Meter waren dann auch schnell geschafft und wir standen am höchsten Punkt der Stubaier Alpen (3507m). Die Aussicht war gigantisch: Von der Wildspitze im Westen über Hochfeiler und Großvenediger bis zum Glockner im Osten. Und aus dem Wolkenmeer über Südtirol ragten in der Ferne die prächtigen Dolomitenstöcke.

Kurz hatten wir den Gipfel sogar für uns alleine, dann kam ein Einheimischer herauf. Erstaunlich, dass an diesem herrlichen Tag so wenig los war. Der Abstieg am Ostgrat war dann auch noch einmal steil, aufgrund der guten Schneelage aber gut begehbar. Unten machten wir dann noch einmal ausführlich Pause, genossen die wunderbare Aussicht und freuten uns über die erfolgreiche Tour.

Wir vergaßen ein wenig die Zeit, bis ich kurz vor drei auf die Uhr sah. Oha, jetzt wurde es Zeit, denn in einer Stunde würde der letzte Lift vom Gaiskarferner fahren. Also packen wir schnell zusammen und machten uns an die Abfahrt. Bis etwas unterhalb des Pfaffenjochs ging es prima, dann kam der Bruchharsch. Während Dietmar hier noch saubere Schwünge fuhr, wechselte ich – von Höhe und Anstrengung erschöpft – auf lange Stemmbögen um. Hauptsache runter.

Der Gegenanstieg zurück ins Skigebiet war dann noch mal richtig hart. Wie immer, wenn mir die Höhe richtig zugesetzt hat, wurde jeder Aufstiegsmeter zur Quälerei. So ganz langsam konnten wir aber auch nicht gehen, sonst würden wir mangels Lift noch ein paar Bonus-Höhenmeter dazu bekommen. Fünf vor vier hatten wir es dann geschafft und setzten uns erschöpft und erleichtert in den Sessellift zum Fernaujoch. Geschafft. Jetzt nur noch Pistenabfahrt. Eine für uns große Tour fand ihr Ende. Unsere erste Nordwand. Die wir sicher nicht so bald vergessen werden.

Hannes Gostner

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