Eisklettern Luibisbodenfall

Bereits Mitte Januar hatten wir in unserer noch jungen AV-Sektion einen Eiskletterkurs organisiert, in dem uns die Grundlagen von Steigtechnik und Sichern im Eis näher gebracht wurden. Letztes Wochenende bot sich nun die Chance, das Erlernte am Luibisbodenfall im Pitztal auszuprobieren.

Während Walter und Co. bereits Freitag Abend angereist waren, fuhren Uli und ich erst Samstag früh in München los. Dementsprechend waren wir erst etwas später vor Ort und unsere drei Freunde waren bereits seit zwei Stunden unterwegs, als wir am Einstieg eintrafen. Während wir noch unser Geraffelt sortierten, stiegen gerade drei Tiroler ein – zunächst machten wir uns Sorgen, dass wir nun länger warten müssten, doch schnell wurde klar, dass die drei so schnell waren, dass diesbezüglich keine Gefahr bestand.

Das Wetter war herrlich, als Uli gegen halb elf schließlich in die erste Länge einstieg: Blauer Himmel, nicht zu kalt, an den Gipfeln sonnig, der Eisfall aber – so wie es sich gehört – im Schatten. Gleichmäßig und unaufgeregt startete Uli in diese Länge, die immerhin gleich mit einigen steilen WI4-Passagen aufwartete. Souverän stieg er diese Länge vor und verschwand schließlich hinter der letzten Steilstufe.

Nun war ich an der Reihe. Beim Kurs hatte ich mich im steilen Gelände schwer damit getan, richtig auf den Steigeisen zu stehen, und war an den ausgestreckten Armen verhungert. Also galt es heute, besonders darauf zu achten, sonst würde ich die 450 Hm dieses gar nicht mal so kurzen Falles nie packen. Die ersten flachen Meter gingen gut, dann wurde es steiler. Durch die vielen Begehungen der letzten Tage gab es bereits einige Trittmulden, was das Steigen natürlich erleichterte. So ging es ganz gut, anstrengend war es trotzdem und Waden und Unterarme beschwerten sich bald.

Voll konzentriert stieg ich weiter. Schnell war ich nicht gerade unterwegs, aber Hauptsache sicher in den Bewegungen. Schon ein geiler Sport: nach jedem Platzieren der Eisgeräte spritzt das Eis (hooken ging gar nicht soo oft), dazwischen rammt man die Frontalzacken hinein. Und dann geht es irgendwie wieder einen halben Meter aufwärts in der gefrorenen Vertikalen. Brachial, aber cool.

Nach der ersten Länge gab es ein Stück Gehgelände im Bachlauf, dann tat sich recht beeindruckend die zweite Stufe vor uns auf. Wow, da geht’s hoch? Gut, dass ich das nicht vorsteigen muss! Uli übernahm dies gewohnt sicher und fand eine gute Linie mittig hinauf zwischen denen zweier anderer Seilschaften, die etwas vor uns unterwegs waren (die Tiroler waren schon weg). Im Nachstieg war das Anstrengendste eigentlich das Herausdrehen der Eisschrauben. Jedes Mal hatte ich den Eindruck, meine Waden explodieren gleich.

Nach der zweiten Länge war ich kraftmäßig eigentlich schon bedient, trotzdem ging die kurze dritte auch noch irgendwie.

Die vierte Länge ist ebenfalls recht kurz und dazu die leichteste: Am Ende kurz WI3, sonst leichter. Die Gelegenheit, auch selbst mal vorzusteigen! Es war wirklich nicht schwierig, trotzdem war nicht gerade entspannt, als ich den steileren Aufschwung am Ende der Länge anging. Zum Glück konnte ich die Anspannung zum größten Teil in Konzentration umsetzen, der Rest war Schiss. Drei Eisschrauben setzte ich auf den paar Metern (Wadenexplosion), dann war ich oben raus, erleichtert und auch ein bisschen stolz. Super, mein erster Vorstieg im Eis!

Es folgte eine landschaftlich reizvolle Wanderpassage bergwärts durch den Bachlauf, dann erreichten wir gegen drei Uhr nachmittags die letzte Steilstufe. Mittlerweile waren wir vom Tempo ganz gut unterwegs und so kamen uns unsere drei Sektionskollegen hier erst abseilenderweise entgegen. Nach einem kurzen Plausch ging es in die letzten beiden WI4-Seillängen. Die Sonne hatte das Eis hier schon in Mitleidenschaft gezogen, in dieser weichen, zähen Masse ließ es sich aber gut klettern. Unten stehend hätte ich nicht gedacht, dass ich da noch hoch kommen würde, aber es ging dann doch. Irgendwie. Mit leichten Schmerzen in den Armen und heftigen in den Waden.

Dann waren wir oben. Geschafft. Mein erster Eisfall. Irre! Ich war ziemlich geschafft und sehr zufrieden. Und auch dankbar mit einem so guten Partner unterwegs sein zu dürfen.

Die oberste Stufe seilten wir ab, dann stiegen wir die Wanderpassage wieder ab und querten rechterhand zu einem Forstweg, der uns in der einbrechenden Dunkelheit zurück nach Stillebach brachte. Ein genialer Bergtag ging zu Ende, zu dessen Abschluss wir uns alle noch auf ein Bier und gutes Essen im Alpenhof trafen. Ja, Eisklettern ist ein cooler Sport!

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