Viele Wege führen zur Knorrhütte

Die Sektion hatte sich für dieses Wochenende „Sternklettern“ zur Knorrhütte vorgenommen: Unterschiedliche Gruppen wollten auf unterschiedlichen Wegen zur Knorhütte gelangen, wo wir uns dann abends treffen und gemeinsam übernachten wollten. Heraus kam eher ein Sternwandern mit überschaubarem alpinistischen Anspruch, aber viel Vergnügen.

Ich hatte mir einiges vorgenommen für den Samstag: Den Hochwanner wollte ich besteigen, und zwar aus dem Reintal durch das Kar im Fall, anschließend zum Gatterl queren und dann zur Knorrhütte wandern. Eine lange Tour, dementsprechend hatte ich mich nach einer viel zu kurzen Nacht früh aus dem Bett gequält und startete zwanzig vor sieben am Skistadion in Partenkirchen.

Mit dem Radl ging es hoch zur Partnachalm. Der – dank Biwakausrüstung und viel Wasser schwere – Rucksack zog nach hinten, so dass ich an einigen steilen Stellen absteigen musste. Irgendwie war das anstrengend hier. Dazu war es verdammt schwül, was mir den ganzen Tag über zusetzen sollte. Nach der Alm folgte ein Forststraßen-Auf-und-Ab, bis ich an den Wanderweg ins Reintal kam. Nun ging es an der munteren Partnach entlang weiter zur Bockhütte, wo sich das Tal plötzlich weitet. Über flache Kiesbänke mäandert hier der Fluss, links direkt eingerahmt von den hohen, Felswänden des Hauptkamms, rechts von den Steilhängen des Blassengrates und im Hintergrund vom Zugspitzplatt. Erstaunlich großzügig und schön ist diese Szenerie, so ganz anders als das enge Höllental auf der anderen Seite des Zugspitzmassivs.

Ein Stück noch fuhr ich mit dem Radl weiter, dann verstaute ich es im Unterholz und wanderte weiter ins Tal hinein. Vor mir bewunderte ich den Wasserfall, der die Steilstufe zum Raintalanger hinabstürzt, links die riesige, abweisende Nordwand des Hochwanners.

Nach etwa zweieinhalb Stunden hatte ich dann die Reintalangerhütte erreicht, wo die Tour ja erst so richtig losgehen würde. Also erst mal hinsetzen, einen Riegel essen und noch mal in den AV-Führer schauen, wie es weitergehen soll. Aha, das schien ja recht klar zu sein – dache ich zumindest noch.

Zunächst ging es über die Partnach, dann ein trockenes Bachbett hinauf und über einen grasigen Rücken auf eine felsige Terrasse. Laut AV-Führer kann man hier entweder links oder rechts gehen. Rechts klang es einfacher und sah auch so aus. Über grasdurchsetzte Schrofen (II) kraxelte ich schräg hinauf, in der Hoffnung über die Steilstufe zu kommen. Zunächst sah es gut aus, doch dann kam ich nicht mehr weiter. Hmm, da war nichts zu machen, also zurück nach unten zur Terrasse.

Dann also mal links schauen. Hier war es überall ziemlich steil, aber nach einigem Suchen fand ich schließlich eine Verschneidung (II+), die mich nach oben führte. Super, das war geschafft! War ich bislang eher verhalten geklettert, war ich nach dieser ersten schwierigen Stelle nun in meinem Element. Das Gelände war hier aber leider ziemlich unübersichtlich, was Zeit kostete. Immer wieder waren Kletterstellen (bis III) zu meistern, dann gelangte ich durch eine splittrig-grasige Rinne zu einem kleinen Sattel, von dem aus sich so etwas wie ein Band fortsetzte. Das Gelände hier war allerdings deutlich anspruchsvoller, als es sich im AV-Führer anhörte, so dass ich nach einigem schauen noch mal etwas tiefer suchte. Da sah es aber auch nicht gut aus und da es allmählich zu spät wurde, um vor dem angekündigten Gewitter sicher hoch und wieder runter zu kommen, beschloss ich, hier abzubrechen. Schade zwar, aber hier ging Sicherheit vor.

Ich gönnte mir noch den Abstecher zum Partnachursprung, von dem aus ich erkennen konnte, dass das obere Band doch richtig gewesen wäre, dann stieg ich – vom schwülen Wetter schon ziemlich kaputt – zur Knorrhütte auf. So gegen fünf kam ich dort an. Conny, Walter und Nico waren schon da und auch Bernie, Michael, Andal und Jörg kamen recht bald nach. Die Anderen waren durchs Reintal, übers Gatterl, über den Stopselzieher und durchs Höllental gekommen (für Klettertouren war das Wetter einfach nicht stabil genug). Es gab also einiges zu erzählen, was wir bei Knödel und Weißbier auch taten. So wurde es ein sehr vergnüglicher Abend, bis wir schließlich zur Hüttenruhe das letzte Bier leeren und die Hütte verlassen mussten.

Angenehm beschwert richteten wir ca. 200m weiter auf einem breiten Grasband unser Biwak ein und verbrachten eine angenehme Nacht. Am nächsten Morgen trennten sich unsere Wege wieder und jeder stieg dahin ab, wo er hergekommen war. Gemütlich wanderte ich also morgens hinab durchs Reintal, stoppte noch einmal unter der mächtigen Wand des Hochwanners und dachte, da einmal hinauf, das wäre was. Dann ging es mit dem Radl hinunter nach Partenkirchen, wo dieses schöne Wochenende schon mittags endete. Einen Gipfel hatte ich dieses Mal zwar nicht erreicht, trotzdem hatte es sich gelohnt – nicht zuletzt dank des lustigen Hüttenabends mit den Sektionskollegen.

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